Der fabelhafte Mr. Tattersall
David Tattersall ist der Sänger und Gitarrist der englischen Band „The Wave Pictures“, die seit ein paar Jahren regulär Platten heraus bringt, doch schon seit Ende der Neunziger zusammen musiziert.
Sie sind ein Eingespieltes Team, das ist unüberseh- und hörbar. Mit was für einer Selbstverständlichkeit die drei mittlerweile in London ansässigen Jungs auf die Bühne gehen, sucht seinesgleichen, und wenn sie ihre Freunde bei Konzerten unterstützen, hat man den Eindruck, sie hätten überhaupt gar nicht geübt. Nicht dass sie fehlerhaft oder schlecht spielten – eher im Gegenteil. Es mag wohl eher ihre Ausstrahlung sein. Oder die Tatsache, dass es schlechterdings unmöglich wäre, das Übungspensum hinzulegen, das erforderlich wäre, um zum Beispiel Stanley Brinks und Freschard bei ihren jeweiligen Einzelkonzerten als Backingband zu begleiten und danach noch selbst aufzutreten. Auch das Pensum an Coverversionen, welche die Wave Pictures noch in Petto haben, spricht eigentlich dagegen, dass die jungen Herren, die angeblich noch nicht einmal die dreißig erreicht haben, nur mit Wasser kochen. Und als wäre dies nicht genug, spielt David Tattersall nun auch noch in einer Bluegrassband, gemeinsam mit Darren Hayman (ehemaliger Kopf der Gruppe „Hefner“) und zwei weiteren Gesellen unter dem Namen Hayman, Watkins, Trout and Lee. Und hat diesen Sommer ein Soloalbum herausgebracht. Und das ist ja auch noch nicht alles, soviel sei verraten. Eine solche Vielseitigkeit und Spontaneität ist eigentlich nur dadurch zu erklären, dass Tattersall über die Gitarre verfügen kann wie über ein Körperteil und somit intuitiv elegant auf alle musikalischen Impulse, die ihm entgegen kommen reagieren. Und zu allem Überfluss schreibt David Tattersall auch noch die mit abstand besten Texte zur Zeit, deren Witz und Schlauheit nahe legen, dass er zumindest die Fachhochschulreife in der Tasche hat, auch wenn man sich bei all dem Tourzirkus kaum vorstellen kann, wo er die Zeit dafür hergenommen hat. Aber ihm wäre auch noch ein Fernstudium nebenbei zuzutrauen – vermutlich schläft der Mann einfach nie.